Ende eines Experiments

Fünf Jahre hat sie da gestanden, die bunte „Box fürs Geben und Nehmen“ am Bunker k101 in der Körnerstraße. Jetzt wurde sie abgebaut – Ende eines guten Experiments mit zwiespältigem Ausgang.

Überwiegend Bücher, aber auch Spielsachen, Klamotten, Schuhe und allerlei Hausrat wartete hier in den Regalen auf Interessenten. Nicht mehr benötigt, aber zu schade zum Wegschmeißen. ‚Sharing is caring’ – die Nachbarschaft der Körnerstraße hat den Gedanken pragmatisch in die Tat umgesetzt. Und sehr vielen Menschen damit geholfen und eine Freude bereitet.

Das Experiment wäre kein gutes, wenn es nicht auch interessante neue Erkenntnisse geliefert hätte. Traurig, aber wahr: Die begehbare kleine Bude wurde öfter als man meinen sollte als Toilette missbraucht – vielleicht aus Not, vielleicht aus Mutwilligkeit, das ist letztlich egal. Verständlich, dass das die Freude an der Großzügigkeit ein wenig verleiden kann.

Bücherbox Körnerstraße Bunker k101
Geben und Nehmen am Bunker k101 in der Körnerstraße

Es soll auch gelegentlich laut darüber nachgedacht worden sein, an wen sich das Angebot eigentlich wendet. Wirklich an alle? Also auch an die, die opportunistisch abstauben, die haben wollen, ohne zu benötigen, die mitnehmen, was sie kriegen können? Oder auch an die, die eigentlich im weiteren Sinne gar nicht richtig zu uns gehören, irgendwie? Wie auch immer: Mitunter wollte sich das wohlige Gefühl, etwas Gutes zu tun, nicht so recht einstellen.

Aber den Ausschlag gegeben für die – vorläufige – Beendigung des Experiments hat wohl auch die AWB. Denn die erhebt Gebühren dort, wo sie tätig wird. Zum Beispiel wenn eine solche Spendenkiste als alternative Sperrmüllentsorgungsoption genutzt wird. Und die vermeintlichen Gaben, die augenscheinlich aus der näheren Umgebung stammten, professionell entsorgt werden müssen.

Sie liegt nun, in Einzelteile zerlegt, an einem sicheren Ort, die „Box fürs Geben und Nehmen“ am Bunker k101 in der Körnerstraße. Und es wird darüber nachgedacht, unter den Nachbarn, wie es weitergehen sollte oder könnte. Vielleicht reicht es ja schon, wenn man sie etwas besser im Auge behalten kann. Und die Menschen deshalb ein wenig pfleglicher mit ihr umgehen. So dass sie weiter Gutes bewirken kann, an einem neuen Ort, irgendwo in der Nähe. Das wäre sicherlich schön.

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