Der Kaffee der Kogi

Einfach herrlich, dieser erste Schluck. Morgens, bevor der Tag ernsthaft beginnt. Oder nach einem langen Spaziergang, leicht fröstelig. In einem der kleinen Cafés entlang der Venloer Straße, im Schwesterherz oder Fridolin, im Rotkehlchen oder bei der Eisdielerin. Hier sind zudem Schamong und van Dyck zuhause und neuerdings auch Cologne’s Roastery.

Wer eine guten Kaffee zu schätzen weiß,
muss in Ehrenfeld nicht leiden.

Irgendwo in der Mitte Ehrenfelds, in einer schmalen Seitenstraße, ist ein Kaffee-Laden der besonderen Art versteckt. Natürlich ist bei Urwaldkaffee immer eine gepflegte Dalla Corte in Betrieb. Aber in erster Linie kommen hier Menschen hin, für die Kaffee mehr ist als eines von vielen austauschbaren Konsumprodukten. Denen – über Bio und Fair Trade hinaus – die Verbindung zum Ursprung etwas bedeutet. Zu dem Landstrich, wo diese Bohnen gewachsen sind. Zu den Menschen, die dort pflanzen, pflegen und ernten.

Es ist ein verschlungener, von scheinbaren Zufälligkeiten gesäumter Weg vom Alltag eines Bauingenieurs zum kleinen Laden in der Simrockstraße und dem Café in der Innenstadt. Oliver Drivers Backpacker-Reise mit einem Freund Mitte der Neunziger sollte in die Sierra Nevada gehen, zu den Kogi-Indianern. Eine realistische Einschätzung der Sicherheitslage in Kolumbien führte die beiden stattdessen auf eine kleine Karibik-Insel östlich von Nicaragua. 

Nicht eine Frage des Mitleids

Der Weg zu den Kogi-Indianern sollte letztlich 17 Jahre dauern. Sie sind keine verarmten Indios, die unseres Mitleids bedürfen. Sondern Nachfahren der Tairona, einer der südamerikanischen Hochkulturen, denen die spanischen Eroberer im 16. Jahrhundert ein Ende bereiteten. Heute bewohnen sie zusammen mit drei weiteren Völkern in der nördlichen Sierra Nevada de Santa Marta ein Gebiet in etwa der Größe des Saarlands. 

Unseren westlichen Lebensgewohnheiten und Werten haben sie sich eher wenig angepasst. Sie verstehen sich vielmehr als Hüter der Erde, sehen sich als unseren älteren Bruder und suchen den Zugang zu einem Wissen zu bewahren, das weit über unser westliches Weltbild hinausgeht. Dazu kaufen sie Stück für Stück das Land ihres Volkes zurück, um natürliche Kreisläufe und Gleichgewichte wieder herzustellen.

Und damit sind wir wieder zurück in der Simrockstraße, bei einem Ex-Manager, Coach und Mentor, der hinter seinen Bemühungen so etwas wie Vorsehung vermutet. Er schätzt, dass er etwa ein Fünftel der Kaffeeernte der Kogi kauft, was dem Ertrag von etwa 200 Familien entsprechen dürfte. Statt der marktüblichen $1,40 für das Pfund Bohnen bezahlt er zwischen $2.50 und $3,25. Geröstet und konfektioniert wird in Luxemburg, weil er dort einen erfahrenen Partner fand, der sich auf dieses Experiment jenseits des Massenmarkts einlassen wollte. Wobei das Wort Experiment nicht ganz angemessen ist. 

Zwei Tassen hier – ein Quadratmeter Land dort

Natürlich ist es schwer abzuschätzen, was uns Konsumenten ein sauberes, fair gehandeltes Produkt wert ist, hinter dem zudem ein tieferer Sinn steckt. Mit einem hohen, aber nicht außerordentlichen Qualitätsniveau. Verbunden mit der Gewissheit, dass überdurchschnittlich viel am Ursprung der Kette ankommt. Zwei Tassen Kaffee hier, so sagt Oliver Driver, retten dort knapp einen Quadratmeter Land. Der Weg zum Produkt führt für ihn immer über den Menschen. 

Auch wenn sich der Business Plan als realistisch erwiesen hat: Reich wird er mit dem Kaffee der Kogi-Indianer nicht werden. Wo will er in fünf Jahren sein? Er lacht. „Wenn ich mir meinen bisherigen Lebensweg anschaue, dann weiß ich: Das ist nicht planbar.“

Oliver Driver hält es mehr mit einem taoistischen Ansatz.

Entscheidend, so sagt er, sei das Hier und Jetzt. „Alles Weitere ergibt sich.“


Urwaldkaffee
Simrockstr. 29
50823 Köln
Telefon: 0221 – 94 65 93 02

Café Kogi
Auf dem Berlich 7
50667 Köln
Telefon 0221 – 168 767 92

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