Ulis Musik in Ehrenfeld:
Annäherung an eine Legende

Den Begriff ‚Legende’ habe ich in unserem Gespräch bewusst nicht genutzt. Weil er ihn zurückgewiesen hätte, so sicher wie das Amen in der Kirche. Aus ganz normaler Bescheidenheit natürlich. Und weil Hype und Marktschreierei so gar nicht zu ihm passen.

Wir lassen hier deshalb auch die dicken Namen weg, die Bedeutung signalisieren – die kann eine Google-Recherche bei Bedarf zutage fördern. Sondern stellen einfach fest: Wenn die Rede ist von einem Kölner Gitarrenladen, klein aber fein; der kompromisslos Wert auf Qualität legt; wo gute Instrumente genauso geschätzt werden wie die Menschen, die sie spielen; geführt von einem Paar, das ein Geschäft zu einem Wohnzimmer werden lässt – dann ist Ulis Musik gemeint, der Laden von Uli und Ellen Kurtinat, am Bahndamm zwischen Venloer und Vogelsanger Straße gelegen, gleich neben dem Heliosturm.

Ohne Qualitätsfinishing verlässt kein Instrument den Laden

Saiteninstrumente sind Sensibelchen, und Gitarren sind hier keine Ausnahme, so rabaukig sie mitunter auch daherkommen. Zwischen „ok“ und „sehr gut“ liegen Welten bei Klang und Spielbarkeit. Große Hersteller wie Fender oder Gibson produzieren gut und gerne tausend Instrumente pro Tag. Für die Endkontrolle bleiben da gerade mal 90 Sekunden. „Das entbehrt nicht einer gewissen Fragwürdigkeit.“

Wohlgemerkt: Kaputt ist hier nichts. Justage und Abstimmung von Hals, Brücke, Sattel, Bünden und Intonation dauern (wenn einer sein Handwerk versteht) zwischen fünfzehn Minuten und einer dreiviertel Stunde. Bei der akustischen 8-Saiter, die demnächst vor großem bis sehr großem Publikum gespielt werden wird, können es auch zwei Stündchen und mehr werden. Ohne ein solches Qualitätsfinishing verlässt bei Uli kein Instrument den Laden.

Aus drei Tagen wurden drei Jahre

Schon als Jugendlicher hat er Gitarre gespielt, und Holz hat er schon immer gemocht. Also hat er eine Lehre zum Zupfinstrumentenmachergesellen gemacht, bei Hoyer, Ende der Siebziger, in Erlangen, wo viele Instrumentenbauer aus dem Vogtland nach dem Krieg eine neue Heimat gefunden hatten. Das anschließende Praktikum in Köln sollte eigentlich nur drei Tage dauern. Als er am zweiten Tag Gitarren im Wert von rund 8000 DM verkaufte, wurden daraus drei Jahre.

Heute haben die Hotels in der Umgebung, in denen die großen Bands auf ihren Tourneen absteigen, seine Kontaktdaten in der Kartei – für alle Fälle. Und die Liste derer, denen er mit einer schnellen Reparatur oder einem Ersatzteil oder -instrument aus der Patsche geholfen hat, liest sich wie das Who-is-who der Rockgeschichte. Aber einfach war der Weg nicht.

Erfolgsrezept: „Jeden Tag kämpfen.“

Selbständigkeit in Opladen und später Manfort in den Neunzigern: Das war ein großes, starkes Team, angemessen bezahlt. Aber das war auch zunehmende Konkurrenz durch Internethandel und Musik-Megastores. Geiz war neuerdings geil. Unter dem Heliosturm setzt er deshalb zusammen mit seiner Frau Ellen und den Mitarbeitern Rüdiger und Mansi konsequent auf Klasse statt Masse, insbesondere beim Service. „Ohne den Reparaturbetrieb hätten wir nicht den Hauch einer Chance.“

Sein Erfolgsrezept ist einfach: „Jeden Tag kämpfen.“ Er erkennt meist auf den ersten Blick, ob jemand gekommen ist, um eine Gitarre zu kaufen. Und da gebe es natürlich die Beratungspiraten – mehr sagt er dazu nicht. Wenn er ernsthaftes Interesse sieht, fragt er nach dem Sternzeichen. „Ich halte eigentlich nichts von dem Esoterik-Kram.“ Aber dass sich Jungfrauen nur schwer entscheiden können, oder dass alle Löwen Rückenprobleme haben – das habe für ihn nichts mit Esoterik zu tun. „Das ist für mich empirisch belegt.“

„Heimat ist für mich, wo meine Frau ist.“

Ehrenfeld fühlt sich für ihn gut an. Zum Beispiel der Gang über den Markt freitags, wo ihn jeder und er jeden kennt, „das multikulturelle Miteinander, in dem sowas wie in Solingen nicht denkbar ist.“

Ist Ehrenfeld Heimat? „Nein. Heimat ist für mich, wo meine Frau ist.“

Wie geht es weiter? Der 66-jährige lächelt. Er kenne Leute, die mit Mitte 50 über Vorruhestand reden. „Die sind für mich schon tot.“

Abends, wenn es dunkel ist, sieht man in der eher tristen Heliosstraße ein knatschgrünes Schild leuchten. In der Mitte ein großes U vor weißen Hintergrund. Es geht ein paar Stufen hoch. Alles weitere ergibt sich.

„Kleinen Espresso?“

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