Ein kleines Geschenk von Balloni

Bei Balloni kriegt man Luftballons. Richtig. Und Köln hat den Neumarkt. Auch nicht wirklich falsch. Gestern Abend war Balloni Gastgeber: Erstes von drei Konzerten des neu initiierten Guitar Cologne Festivals. Nicht, weil klassische Gitarrenmusik etwas mit Ballons zu tun hätte oder neuerdings der letzte Schrei ist. Sondern um eine runden Geburtstag zu feiern. Und um etwas zurückzugeben.

Ehrenfeld ist reich gesegnet mit Industriearchitektur, und die Balloni-Hallen sind ein schönes Beispiel. Früher, sprich ab 1885, hat die Firma Voss hier Dampfmaschinen gebaut, später auch Verbrennungs- und Elektromotoren und schließlich Kräne. Aber irgendwann war die aufwändige Einzelanfertigung nicht mehr konkurrenzfähig. Die Firma wurde 1990 übernommen, die passabel erhaltenen Produktionshallen am Ehrenfeldgürtel zwischen Venloer und Subbelrather standen leer. Wie einige andere in Ehrenfeld auch.

Balloni-Hallen am Abend
Abendstimmung in Ehrenfeld: Die Balloni-Hallen am Gürtel zwischen Venloer- und Subbelrather Straße

Sibylle Hartung und Wilhelm Blume haben sich ihr Studium auf Stadtmärkten finanziert, in den späten Siebzigern, als Clowns verkleidet Luftballons und Vogelstimmen verkauft. Ihr Angebot übte schon damals eine ganz eigene Faszination aus. Konkurrenz gab es kaum, es war harte Arbeit, aber es lief ganz gut. In einem Hinterhof in der Gutenbergstraße eröffneten sie bald einen kleinen Laden.

Authentisch bleiben, und gute Freunde – das ist das Wichtigste.

Es hat ein wenig Überredungskunst erfordert, 1989 bei der Bank, als kleiner Luftballonladen, der eine Industrieruine kaufen will, in Ehrenfeld, das damals noch durch und durch Arbeiterviertel war. In einem Schritt von 140 auf 2000 Quadratmeter. Gute Freunde sagten, ihr seid verrückt, in zwei Jahren seid ihr Pleite. Ein guter Freund vermittelte bei der Bank. Handschlag. Überhaupt, gute Freunde zu haben, das sei mit das Wichtigste, sagt Sibylle Hartung heute.

Ihr Credo? Authentisch bleiben, meint sie nach kurzem Nachdenken, immer zu sich selbst stehen können. Es hilft, dass sie und Willi sich gut ergänzen: sie die Kreativnudel, die in einem einzigen Ballon eine Feier mit fröhlichen Menschen in einer coolen Location mit hinreißender Deko und perfektem Service sehen kann. Er der Networker, der Gott und Lotte kennt – nicht weil es nützlich ist, sondern weil er viele Menschen einfach mag.

Balloni-Hallen Industrieambiente
Liebevoll bewahrtes Industrieambiente

Es hilft auch, dass sie Teamplayer sind, stolz darauf, dass einige ihrer Leute schon seit zwanzig Jahren dabei sind. Und es hilft, keine Scheu vor Arbeit zu haben. Ein Architektenteam hat sie unterstützt, und sie haben eine Baugesellschaft gegründet. Aber einen sehr großen Anteil der Instandsetzung dessen, was von der Kranfabrik Voss übrig war, haben sie in Eigenleistung erbracht. Mit Respekt vor der Architektur, mit einem Auge für Details, mit Durchhaltevermögen und Mut. Den hat eine Frau wohl, die man in jeder Menschenmenge mühelos an ihren unterschiedlich farbigen Schuhen erkennt.

Heute steht Balloni für Dinge mit Stil, Geschenke und Accessoires, für Ambiente und Lebensart. Und damit sind wir schnell bei den besonderen Momenten im Leben, die gefeiert werden wollen, bei einer Eventabteilung, die ihresgleichen sucht, bei mehr als 70 Mitarbeitern und einem Umsatz im siebenstelligen Bereich. In der Realität hat diese Reise allerdings rund 40 Jahre gedauert.

Aber darum ging es gestern Abend nicht, beim Auftaktkonzert des Guitar Cologne Festivals in den Balloni-Hallen. Es war vielmehr eine Geburtstagsfeier, eine Art Geschenk von ihr an ihn und von beiden an Freunde, an Nachbarn, an drei Künstler, die sie schon lange kennen und schätzen. Es war ein langer Weg, meint sie, mit Widerständen, aber auch mit viel Rückhalt und Zuspruch. „Jetzt wollen wir etwas zurückgeben.“


Als ich gestern Abend ankam, stand Balloni-Chefin Sibylle Hartung mit hinterm Tresen und nahm Garderobe entgegen. Später, als auch der letzte Platz im Saal vergeben war, trug sie weitere Stühle herbei.

Und dann, Punkt acht, wurde es dunkel in der ehemaligen Kranfabrik Voss. Und still.

Um uns herum schimmerten warm die alten Fabrikwände.

Und José Fernández Bardesio, Meistergitarrist aus Uruguay, betrat die Bühne.

Und begann zu spielen.

José Fernández Bardesio @ Balloni

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