„Das Cinenova verdient es, geschützt zu werden“

Das Cinenova ist zweifellos eine kulturelle Perle Ehrenfelds. Das liegt an Dieter und Martina Borck. In den 80er Jahren haben die beiden die Filmpalette am Hansaring zu dem gemacht, was sie heute noch ist: Ein Programmkino, das den Film als Kunstform zelebriert. 1996 haben sie ganz tief Luft geholt und in Ehrenfeld das ehemalige UPS-Versandzentrum an der Herbrandstraße langfristig angemietet. Aus dem nüchternen Bau haben sie ein modernes Programmkino geschaffen mit drei Sälen, mit Restaurant und Biergarten – und vor allem mit einem Programm, das auf Vielfalt setzt und anspruchsvolle Unterhaltung.

Als Nachbarn und Filmfans haben wir das sehr schnell schätzen gelernt.

Doch seit 2015 weht den Borcks ein rauer Wind ins Gesicht. Damals flatterte ihnen unversehens eine Räumungsklage ihres neuen Vermieters ins Haus. Die Begründung der Frankfurter Immobiliengesellschaft Objekt VL GmbH & Co. KG: Die Borcks hätten Büroräume ohne Genehmigung untervermietet. Die Untervermietung war zwar mit dem vorigen Vermieter abgesprochen gewesen. Aber um Konflikten aus dem Weg zu gehen, kündigten die Borcks den kleinen Filmproduktionsgesellschaften, die ein wenig Leben in den ansonsten doch recht einsamen kleinen Bürotrakt im Obergeschoß des Cinenova gebracht hatten. 

Klage abgewiesen – aber trotzdem kein Frieden

Doch mit der Kündigung der Untermieter war der Frieden nicht wieder hergestellt. Die Räumungsklage blieb bestehen. Das Gericht sah die Sache jedoch anders und gab den Borcks unter Verweis auf den bis 2044 laufenden Mietvertrag recht. Der Vermieter zog vor das Oberlandesgericht. Das bestätigte das erstinstanzliche Urteil – für eine Kündigung gebe es keinen Anlass.

Doch auch damit war der Frieden nicht wieder hergestellt. Die Nebenkosten sind sprunghaft gestiegen und weisen Positionen auf, die für die Borcks nicht nachvollziehbar sind. Anfang Februar wurden dann die Gebühren im benachbarten Parkhaus drastisch erhöht. (Das Parkhaus gehört übrigens der selben Frankfurter Immobiliengesellschaft, der auch das Cinenova-Grundstück gehört.)

Von 1,50 Euro wurde der Abendtarif nach 18 Uhr mal eben auf 4,50 Euro verdreifacht. Damit wurde dieses Parkhaus, das der Kölner Stadt-Anzeiger bereits 2016 in einem Beitrag als „Angstraum“ bezeichnete, laut Express zum teuersten Parkhaus Kölns. Wer sein Auto dort während eines Kinobesuchs abstellte, wurde anschließend mit 13,50 Euro zur Kasse gebeten. 

Bessere Rendite mit Studentenwohnungen?

Mittlerweile gelten neue, nicht mehr ganz so extreme Preise, aber am „Angstraum“ hat sich seit 2016 nichts geändert. Wahrscheinlich, weil die Frankfurter Immobiliengesellschaft ganz andere Pläne hat. Laut Presseberichten will sie auf der Fläche, auf der jetzt das Parkhaus und das Cinenova stehen, Studentenwohnungen bauen. Damit würden sich die Mieteinnahmen sicherlich deutlich steigern lassen.

Doch es gibt auch Lichtblicke in dieser hässliche Geschichte. Die Solidarität mit dem Cinenova und seinen Betreibern ist groß. Nach Express und Kölner Stadt-Anzeiger berichten weitere Medien ausführlich über den Fall, unter anderem der Kölner Wochenspiegel, das Kino-/Kulturmagazin choices und das Kinoportal Blickpunkt: Film.

Petition: Für den Erhalt des Cinenova

Innerhalb weniger Tage unterzeichneten zudem mehr als 14.000 Unterstützer eine Online-Petition, die sich für den Erhalt des Cinenova stark macht. Mehr als 3.300 Unterschriften stammen von Ehrenfeldern. 

Auch die Lokalpolitik ist aktiv geworden. Die fünf Fraktionen in der Ehrenfelder Bezirksvertretung und der Einzelmandatsvertreter Harald Schuster haben die Stadtverwaltung gemeinsam in einem Dringlichkeitsantrag beauftragt, für das Gelände zwischen Herbrandstraße und Bahntrasse einen Bebauungsplan aufzustellen, der Wohnnutzung ausschließt.

Unser Stadtteil braucht bezahlbaren Wohnraum. Aber ein gesunder Stadtteil braucht immer auch Raum für kulturelle Entfaltung. Wir dürfen nicht zulassen, dass Wohnraum und Kultur gegeneinander ausgespielt werden.

Harald Schuster, Deine Freunde

Laut Flächennutzungsplan liegt das Cinenova in einem Gewerbegebiet, erläutert Ralf Klemm, Geschäftsführer der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in der Ehrenfelder Bezirksvertretung. „Gewerbegebiet“ sei jedoch lediglich ein Orientierungsrahmen. Der Bebauungsplan soll nun konkret festlegen, was dort gebaut werden darf und was nicht. Dabei soll auch geprüft werden, ob in diesem Bereich eine kulturelle Nutzung festgeschrieben werden kann, von der zum Beispiel auch das benachbarte Herbrand’s profitieren würde.

„Das Cinenova ist ein wunderschönes Kino, das es verdient, geschützt zu werden.“

Ralf Klemm, Geschäftsführer Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, BV Ehrenfeld

Wenn die Stadt Köln dem Antrag folgt, wird in einem ersten Schritt ein Aufstellungsbeschluss sicherstellen, dass kein Bauantrag dem angestrebten Bebauungsplan zuwiderläuft.

Kino und Nachhaltigkeit? Das geht!

Familie Borck tut die Solidarität gut. Nachdem Vater Dieter kürzlich in den Ruhestand gewechselt ist, stehen Töchter Sandrine und Adrienne in den Startlöchern, das Cinenova als Familienbetrieb weiterzuführen. Dabei setzen sie nicht nur auf ein gutes Programm, auf Live-Übertragungen aus den Opernhäusern in Paris und London, auf Premieren mit Regisseuren und Schauspielern, auf Sneak Previews, Open-Air-Vorführungen oder besondere Angebote für Eltern mit kleinen Kindern. Sondern auch auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen. 

Im Cinenova wurde der doch beträchtliche Energiebedarf eines Kinos von Anfang an aus Ökostrom gedeckt. In der Restaurant-Küche werden Bio-Zutaten eingesetzt und regionale Produzenten bevorzugt. Bier und Softdrinks tragen Bio-Label, alle Getränke werden in Pfandflaschen ausgegeben, sogar die Popcorn-Tüten sind ökologisch abbaubar. Und die Kinosessel stammen aus Europa. Sie sind deshalb überdurchschnittlich teuer, halten aber auch länger. Und bequem sind sie auch. 

Sie wollen weiter behutsam verbessern, Mutter Martina und ihre Töchter Sandrine und Adrienne. So ist zum Beispiel ein neues Soundsystem angedacht. Aber im Grunde wollen sie das Cinenova so erhalten, wie es ist. 

Und das finden sehr viele Ehrenfelder sehr gut.

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