Corona-Tagebuch:
20. März 2020

Zwei Dinge prägen unseren Alltag als ältere Menschen in diesen Tagen: Welche neuen Erkenntnisse und Entwicklungen gibt es, und wie stellen wir uns darauf ein? Ich verbringe zur Zeit täglich etliche Stunden im Internet – auf den Seiten meiner Lieblings-Zeitungen, auf Nachrichtenportalen, auch auf YouTube und Facebook – auf der Suche nach Fakten und Meinungen. 

Meine Frau und ich reden viel miteinander und sind uns einig: Diese Krise wird unser Leben grundlegend verändern. Darin wollen wir auch eine Chance sehen. Und vor allem: Wir werden nicht darauf warten, dass uns jemand den Weg weist. Den wollen wir selber suchen und gehen. 

Aber das ist nur als Einleitung gedacht. Mir geht es heute um etwas ganz anderes. Es ist nur zu verständlich, dass wir uns alle Sorgen machen – über unsere Gesundheit und das Wohl unserer Familien, über unsere berufliche Zukunft und die Fähigkeit, mit den Veränderungen fertig zu werden. Aber das Zauberwort in diesen Tagen ist Solidarität. 

Es geht nicht immer nur um uns

Zwischen den Zeilen in Nachrichten und Meinungen schwingt in diesen Tagen eine ganz simple Wahrheit mit: Es geht nicht immer nur um uns. Das hat Heiko Wrusch (von dem die großen Wimmelbücher stammen, die unsere Enkel lieben) auf wunderschöne Art auf den Punkt gebracht.  

Ein Dankeschön an alle Helfer - von Illustrator Heiko Wrusch.
Illustrator Heiko Wrusch sagt für uns alle “Dankeschön” auf seine Art.

Während wir uns freiwillig oder angeordnet isolieren, um Übertragungswege zu unterbrechen, bewahren uns da draußen unzählige Menschen gerade vor dem totalen Kollaps. Allem voran natürlich Ärzte und Pfleger in Krankenhäusern, Praxen und Heimen. Aber genauso diejenigen, die dafür sorgen, dass wir uns in den Supermärkten mit allem Nötigen versorgen können. Wir bekommen nach wie vor Post, Behörden und Ämter halten wichtige Funktionen aufrecht, Busse und Bahnen fahren und der Müll wird auch abgeholt. 

Diese Menschen – und es sind sicherlich noch etliche weitere Gruppen zu nennen – müssen nicht nur eigene Sorgen und Nöte zurückstellen. Sie kämpfen auch an vorderster Front, in einer gefährlichen Zone. Sie sind physisch und psychisch hochgradig belastet und gleichzeitig konfrontiert mit Engpässen und Unzulänglichkeiten, wenn es um den Schutz ihrer eigenen Gesundheit geht. 

Solidarität – statt Schuldzuweisung oder Empörung

Da kann man nach Schuldigen suchen, wenn man denn will. Oder in selbstgerechter Empörung Maßnahmen fordern, die man selbst nicht verantworten muss. Wichtiger und nützlicher ist es jetzt, Solidarität zu zeigen. Mit ein wenig mehr Freundlichkeit. Mit ein wenig mehr Rücksichtnahme. Und indem man sich verdammt noch mal an fachliche Ratschläge, Bitten und Vorgaben hält. Weil es im Moment nicht um uns Einzelne geht. Sondern um uns alle.

Es ist schon ein trauriges Zeichen, dass eine allgemeine Ausgangssperre allem Anschein nach erforderlich ist. Weil Appelle an die Vernunft nicht fruchten. Traurig deshalb, weil die individuelle Freiheit, die wir in unserer demokratischen Gesellschaft genießen, ein sehr wertvolles Gut ist. Es sieht so aus, dass wir auch hier erst einmal etwas verlieren müssen, um den wahren Wert zu begreifen. Darüber werden Bund und Länder am Sonntag beraten. Die Entscheidung werden sie sich sicher nicht leicht machen. Aber klare Ansagen sind mir im Moment lieber als Schmusekurs.

… wenn der Spuk vorbei ist

Mit am meisten Schwierigkeiten bereitet mir im Moment der Gedanke, dass der Spuk ja früher oder später vorbei sein wird. Weil das falsch ist. Diese Pandemie mit ihren gravierenden Auswirkungen in alle Bereiche des Lebens weltweit wird uns nachhaltig verändern. Das ist schwer vorstellbar, und die konkretere Frage ist natürlich: Wie? Und wie kann ich das für mich beeinflussen?

Der Tipp eines Konzertpianisten in einem Video an all jene, die auf absehbare Zeit weder auftreten noch unterrichten werden, hat mir gefallen. Wenn in einem Jahr oder so das Gröbste überstanden ist: Was werde ich mir dann wünschen, dass ich es heute getan hätte? In diesem Ausnahmezustand, in dem ich Prioritäten neu bewerten und Weichen stellen kann.

Ausführlich und tiefgreifend hat sich der Zukunftsforscher Matthias Horx in einem aktuellen Aufsatz mit dieser komplexen Frage beschäftigt. Für nachdenkliche Menschen bietet der Text sehr interessante Anregungen.

Übrigens: Heiko Wrusch hat bei seiner schönen „Thank you“ Zeichnung noch einen Schritt weiter gedacht. An die Kinder, die ja auch spüren, dass da draußen gerade etwas ganz seltsames vorgeht. Sein Dankeschön steht unten in hoher Auflösung zum Download bereit. Zum ausmalen. Und drüber sprechen.

Zum Ausmalen: Ein Danke an die Helfer in der Coronakrise. Von Heiko Wrusch.

Illustrationen:
FBI – Freelance Bureau of Illustration
Heiko Wrusch
Tournisauel 24
53797 Lohmar
www.wrusch.com
heiko@wrusch.com

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20. März 2020

2 Kommentare Corona-Tagebuch:
20. März 2020

  1. britta ney 20. März 2020 at 18:54

    danke, für diese schönen worte.
    mich würde interessieren,
    wie der konzertpianist heißt.
    liebe grüße, britta n.

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