Percussion deluxe: Roland Peil and friends im YUKA

Wenn einer mit 50+ sein vor gefühlten tausend Jahren abgebrochenes Studium abschließt, dann ist Leidenschaft im Spiel. Wenn derjenige Musiker ist, viel im Ausland gewesen – dann könnte das ungeheuer spannend sein. Wenn dann auch noch Freunde und Weggefährten mit auf der Bühne stehen, dann dürfte aus der Pflicht eines Bachelor-Abschlusskonzerts eine Kür werden. Und aus dem Abend ein Fest. Am Montag, 2. September, 19 Uhr. Im YUCA in Ehrenfeld.  

Roland Peil gilt als einer der besten Perkussionisten Deutschlands. Steht auf der Bühne mit den Fantastischen Vier, hat gespielt mit Peter Maffay und Sasha, mit Paul Kuhn, Peter Herbolzheimer, Till Brönner und der WDR Bigband. War auf Welttournee mit Sarah Brightman, hat gearbeitet mit Klaus Doldinger, Chaka Khan, Joe Sample und den Pointer Sisters. Soweit eine unvollständige Liste. 

Blues – Jazz – Samba – Salsa – Rumba

Rhythmus hat ihn von Kindheit an fasziniert. Seine Eltern haben sein Talent gefördert. Preisträger beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert, Tourneen mit Bundesjugendorchester und JugendJazzOrchester NRW. Klassik und Big Band fand er gut. Aber die afrikanischen Ursprünge hatten für ihn von Anfang an einen ganz besonderen Reiz. Weil sie Türen öffnen in Richtung Blues und Jazz, Samba, Salsa und Rumba.      

Köln in den Achtzigern: Da gab es jede Menge kleine Clubs, in denen Nacht für Nacht spannende Musik lief. Live und ohne Filter, in wechselnden Besetzungen mit Musikern aus der ganzen Welt. Roland war mitten drin, Hans Dampf in allen Gassen. „Das war alles nicht wirklich geplant,“ meint er. Die Gigs. Die Leute, die er kennen gelernt hat. Die Impulse, die er dadurch erhalten hat. „Das ist einfach so passiert.“

Kuba hat mich aufgefressen – als wäre ich schon immer da gewesen.

Studieren war dann irgendwann nicht mehr wichtig. Stattdessen auf in die Welt: nach Brasilien und Kolumbien, nach New York und New Orleans. Und halt nach Havanna. „Kuba hat mich aufgefressen – als wäre ich schon immer da gewesen.“ Er ist eingetaucht in Land und Leute, Kultur und Sprache. Und natürlich in die Musik und ihre Wurzeln. 

„Musik erschließt sich nicht nur über das Hören oder Aufschreiben“ ist seine Erfahrung. Mit Musikern nachts einen letzten Teller schwarze Bohnen teilen; darüber diskutieren, welcher Tequila denn nun der wirklich allerbeste ist: das seien wertvolle Momente. Auf Kuba hat er sich verliebt, hat geheiratet, ist Vater geworden. Und hat Mitte der Neunziger mit ‚Aqua de Colonia’ ein Austauschprojekt gegründet, das Musiker miteinander verbindet, über nationale und kulturelle Grenzen hinweg.

… und dann holte ihn das abgebrochene Studium wieder ein

Zurück in Köln, seiner weltlichen Heimat, mehrten sich die Anfragen. Und es ergab sich die Chance auf einen Lehrauftrag in Nürnberg. Das reizte ihn. Es gab mehrere Bewerber – er wurde genommen. Doch da holte ihn das abgebrochene Studium wieder ein. Letztlich war alles klärbar – aber ihm wurde bewusst, dass es da bei ihm eine offene Baustelle gab. Und die schließt er jetzt.

Er ist der abenteuerlustige Typ, der gerne Neues probiert. Und damit immer mal wieder die Geduld seiner Kollegen strapaziert. An der Musikhochschule Köln hat er jetzt mit den Kindern dieser Kollegen zusammen sein Studium zu Ende geführt. Und das hat ihm sehr viel Spaß gemacht. „Ich habe viel dazugelernt.“

Roland Peil, Schlagzeuger und Perkussion-Spieler
(Foto: Daniel Hahn)

Was sind seine Wünsche, Träume? Natürlich hofft er, dass er seinen Bachelor-Abschluss bekommt. Das wird sich am 2. September zeigen, bei seiner musikalischen Weltreise unter dem Titel „My Roots“. Dann braucht er sich auch wegen eines fehlenden Diploms keine Gedanken mehr zu machen. Zum Beispiel wenn er sich vielleicht eines fernen Tages auf eine Professur bewirbt. Perkussion ist körperlich anstrengend. Im Moment packt er das noch ganz gut. Aber man wird ja nicht jünger.

Der Abend im YUCA wird einige seiner alten Freunde wieder auf der Bühne zusammen bringen, auch aus Havanna. Darauf freut er sich besonders, und diese Art von Austausch will er weiter aktiv fördern. Außerdem wird das Konzert aufgezeichnet. Das könnte sein erster eigener Tonträger werden. Das fände er auch gut. Er denkt über einen kleinen Film nach, über Kuba und die Musik. Und möchte gerne wieder auf Tour gehen, mit kleiner Besetzung. Mit Rumba, Samba, Salsa & Co. 

Mal sehen, was sich so ergibt.


Roland Peil: “My Roots”
Ein Bachelor-Abschlusskonzert der besonderen Art
2. September 2019, 19 Uhr
YUKA Köln Ehrenfeld

Tickets: €18/€12 unter myroots.ticket.io


Titelfoto: Rüdiger Knuth

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2 Kommentare Percussion deluxe: Roland Peil and friends im YUKA

  1. Elke Brecht 20. August 2019 at 8:54

    Lieber Thomas,

    da spürt man aber auch deutlich deine Leidenschaft. Sehr gut.

    Liebe Grüße,
    Elke

    Antworten
    1. Thomas Reinert 20. August 2019 at 17:14

      Danke dir – ich bin echt gespannt auf den Abend.
      Liebe Grüße nach Hamburg

      Antworten

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