Das Salumi Toscani: Ein bisschen Sizilien in Ehrenfeld

Es gibt sie noch, die schönen kleinen inhabergeführten Lebensmittelläden, versteckt zwischen den anonymen City-Supermärkten und Discountern. Wo man sich tatsächlich noch als Kunde fühlt. Weil man beim zweiten Besuch wiedererkannt und freundlich begrüßt wird. Wo man unweigerlich ein wenig plaudert, über die Feinheiten einer wirklich guten Bolognese oder die Vorzüge unterschiedlicher Kaffeesorten. Wo italienische Satzfetzen durch den Raum schwirren und Bambini durch die Gänge wuseln. 

Wo Einkaufen ein bisschen ist wie Urlaub.

Das ‚Salumi Toscani’ auf der Leyendecker Straße zwischen Venloer und Subbelrather ist so ein Geschäft, unter Insidern bekannt und geschätzt. Nicht weil es so besonders trendy wäre oder edel. Sondern weil man sofort spürt: Das hier ist echt. 

Pasta und mehr: Das Salumi Toscani in Ehrenfeld

Nudeln nicht nur von Barilla, sondern von De Cecco, Riscossa, La Molisana oder Vallolmo. Neben Lavazza Kaffees von Mocambo, Poli, Bravi oder Kimbo. Ciabatta oder Focaccia, Salami oder Prosciutto, Käse oder Oliven: Was hier in den Regalen liegt oder Kühltheken, kommt aus Italien. Außer den tiefgekühlten Scampis. Aber das ist in Italien auch nicht anders. 

Wenn es nach dem Wunsch der Eltern gegangen wäre, wäre Clemente Di Prima Architekt geworden. Stattdessen hat er während der Schulzeit in Köln Kalk bei DM gejobbt und danach wie sein Vater auf dem Bau gearbeitet. Und immer wieder im Laden seines Onkels ausgeholfen, draußen in Quadrath-Ichendorf, in den späten 90ern. Weil er gerne mit Menschen umgeht und das gut kann.

Viel Renovierungsbedarf, wenig Eigenkapital

Den Laden in der Leyendecker hatte ursprünglich der Onkel eröffnet, 2001, zusammen mit einem Partner. In Ehrenfeld, weil es hier mehr Italiener gab als draußen auf dem Land. Aber sizilianisches Temperament ist nicht immer von Vorteil, die Partnerschaft hielt nicht lange und der Laden auch nicht. Gespräche mit dem Vermieter, Gespräche mit der Bank. Ziemlicher Renovierungsbedarf, ziemlich wenig Eigenkapital.

Aber Clemente hatte klare Vorstellungen und einschlägige Erfahrungen sowohl im Einzelhandel als auch auf Baustellen. Er übernahm den Laden, mit 21, und heiratete im selben Jahr seine Maria. Zwei Jahre lang wohnten sie bei den Eltern. Keine Flitterwochen, kein Urlaub. Dafür Arbeit, jede Menge Arbeit. Aber die Kunden kamen. Und viele sind bis heute geblieben.

Zukunft ungewiss

Es sah eigentlich alles ganz gut aus, als 2006 von den Vermietern aus Mallorca die Nachricht kam: Das Haus wird verkauft. Sein Vertragsende war absehbar, die Zukunft über Nacht ungewiss. 

Interessenten, die sich das Haus anschauten, winkten ab. Unübersehbarer Renovierungsbedarf, von den Überresten einer chemischen Reinigung im Keller bis hoch unters Dach. Auch war Ehrenfeld damals noch weit entfernt davon, ein angesagtes Veedel zu sein. Gespräche mit der Bank. Ein wenig Eigenkapital. Er würde die Miete für den Laden sparen. Er würde im Haus wohnen können, mietfrei. Sein Vater und er könnten das Haus instand setzen, Schritt für Schritt, mit wenig Geld und viel Arbeit. Der Schwager arbeitet bei RheinEnergie, kennt sich mit Elektrik aus. 

Behandele deine Mitmenschen so, wie du behandelt werden möchtest.

Sie kauften das Haus. Das war 2006. Drei Jahre später kam Tochter Veronica zur Welt, 2011 Sohn Giovanni. Urlaube fielen für viele Jahre aus.

Wenn Clemente erzählt, fällt immer mal wieder das Wort Karma. Er glaubt fest daran, dass Gutes zu einem zurückfindet. Seine Devise: Behandele deine Mitmenschen so, wie du behandelt werden möchtest. Sie haben die Wohnungen renoviert, aber die Mieten konstant gehalten. Mit seinem Großhändler hat er gute Preise verhandelt, die er an die Kunden weitergibt. 

Denn das war schnell klar: Es ist nicht nur das Sortiment oder der freundliche Service, der die Kunden zurückkommen lässt. Es ist vor allem der Preis. Bei den älteren Stammkunden genauso wie bei den jungen Hipstern, die sich hier auf die Schnelle ihre Panini holen. Oder bei den Kunden, die samstags extra aus Bornheim kommen oder aus Siegburg oder Leverkusen.

Das Erfolgsrezept: Arbeit

Was Clemente nicht sagt, was aber offensichtlich ist: Hinter ihrem Erfolg steckt vor allem Arbeit. Es hilft sehr, dass neben Clemente und Maria auch deren Schwester Giusi im Laden arbeitet und an drei Tagen die Woche Mitarbeiterin Gessica.

Fast wie zuhause: Das Salumi Toscani in Ehrenfeld

Aber ‚arbeiten’ ist hier vielleicht nicht das richtige Wort. Wo sie sich doch gleichzeitig alle, ganz nebenbei, um Giusis Töchterchen Alysia kümmern und um ihren kleinen Bruder Angelo, gerade mal zwei Monate alt. Wo ihr Laden doch, spätestens wenn Veronica und Giovanni aus der Schule kommen, auch eine Art Zuhause ist. Wo Nachbarn und Freude gerne mal kurz vorbeischauen. Auf einen Espresso. Oder einfach so. 

Wenn alte Kunden bleiben und neue dazukommen, wenn die Preise gut sind und der Service freundlich, wenn die Miete bezahlbar bleibt oder man sein eigener Vermieter ist: dann kann ein kleines inhabergeführtes Lebensmittelgeschäft überleben.

Wenn dann auch noch gutes Karma dazu kommt, dann ist sogar mal ein Urlaub drin. 

Titelfoto: Maria Di Primo, umrahmt von ihrem Mann Clemente und ihrer Schwester Giusi. Deren kleiner Sohn Angelo ist gerade zwei Monate alt geworden, sein Schwesterchen Alysia (unten Mitte) wuselt tagsüber durch den Laden. Veronica und Giovanni Di Primo gehen schon zur Schule.


Salumi Toscani
Leyendeckerstraße 73
Köln Ehrenfeld

Öffnungszeiten:
Mo – Sa   9:00 – 18:30

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