Urban Winery Cologne: Wein made in Ehrenfeld

Vorab: Die kleinen Geschäfte und Restaurants, die wir sehr schätzen, kämpfen angesichts der Coronakrise ums Überleben. Wenn wir sie jetzt unterstützen können, dann sollten wir das tun. In diesem Sinne:

Support your local Wine&Cheese Dealer!
IMI Winery & Käse Glückler bieten ab 60 € kostenfreie Lieferung von Wein, Käse, Wurstwaren und weiteren Produkten innerhalb der folgenden Kölner Stadtteile an: Ehrenfeld, Neuehrenfeld, Nippes, Braunsfeld, Belgisches Viertel, Lindenthal, Sülz, Innenstadt.
Stay at home – stay healthy!
(Link am Ende des Texts.)

Stimmt schon: Urbanes Leben ist kunterbunt. Aber etwas fehlt, etwas ganz Entscheidendes. Weil ein Park nun mal kein Wald ist, ein Spielplatz keine wirklichen Abenteuer verheißt und kaum ein Supermarkt etwas hat, das man Persönlichkeit nennen könnte.

Es ist die Sehnsucht nach dem authentischen, ursprünglichen, die viele Städter irgendwann beschleicht. Wir wollen wissen, wo das Obst, das Gemüse, das Fleisch herkommt, das wir essen. Wir haben uns sattgesehen an genormten Schränken und Regalen, Tomaten und Bananen.

Zurück zu den Wurzeln lautet die Devise, Achtsamkeit ist das neue Mantra.

Von der Pfalz über Kalifornien nach Ehrenfeld

Für Jonathan Hollerith, kurz Jon, ist Wein kein Getränk, sondern Leidenschaft. Das liegt in der Familie. Seine Eltern Pfälzer Weinbauern, der Vater studierter Önologe. Ihre 24.000 Rebstöcke auf drei Hektar in Maikammer nahe Neustadt an der Weinstraße haben sie mit Liebe und Sachverstand gehegt und gepflegt.

Ende der siebziger Jahre zog es sie hinaus in die Welt, nach Amerika, Virginia zunächst und dann nach Kalifornien. Ihr Sachverstand war gefragt und geschätzt, sie brachten ihre Expertise in kleinere und größere amerikanische Weingüter ein. Um ihren Sohn zur Welt zu bringen, reiste die Mutter 1979 für ein paar Monate zurück in die Heimat. Eigentlich ist Jon Amerikaner. Aber wenn er deutsch spricht, schwingt immer auch ein bisschen Pfalz mit.

„Weinbau ist ein Job für die Ewigkeit.“

So ganz klar, wohin seine berufliche Reise gehen sollte, war ihm nach Abschluss der High School nicht. Das änderte sich, als er zunächst bei seinem Onkel in der Pfalz und dann in Bordeaux auf zwei renommierten Châteaus arbeitete. „Weinbau ist ein Job für die Ewigkeit,“ wurde ihm damals klar. „Er hat seinen eigenen Rhythmus, er braucht seine Zeit und es macht jedes Jahr mehr Spaß.“

Das komplexe Zusammenspiel von Böden und Witterung, von Rebsorten und Pflanzdichten, von Unterlagen und Edelreisen, von Pflege, Lese und Verarbeitung fasziniert ihn – die Vielfalt der gangbaren Wege. Und trotzdem wird ein Wein seine Herkunft – ob er zum Beispiel auf Schieferboden gewachsen ist, auf Kalkstein oder Granit – nie ganz verleugnen können. Jon lächelt. „So wie beim Menschen auch.“

Studium mit Schwerpunkten Önologie und Landwirtschaft, Beratertätigkeit für Weingüter in den USA und in Europa, ein eigenes Weingut, das er erbte, als sein Vater 2014 starb: Hervorragende Voraussetzungen, um groß und größer ins Weingeschäft einzusteigen. Aber eigentlich treibt ihn etwas anderes um.

Verzicht auf Chemie ist nur ein Anfang

Da ist zum einen der Unterschied zwischen der handwerklichen und der industriellen Weinerzeugung. Vereinfacht ausgedrückt: das eine hat für ihn Seele, das andere nicht. Dann das Thema Nachhaltigkeit. Verzicht auf Chemie ist für ihn nur der Anfang. Ihn faszinieren biodynamische Aspekte, von der gegenseitigen Stärkung bestimmter Pflanzen, Insekten und Mikroorganismen angefangen bis hin zum Einfluss der Mondphasen auf Schnitt und Lese.

„Die Umstellung von konventionellem auf nachhaltigen Anbau erfordert Geduld und etwas Mut,“ räumt er ein. Weil sich die Pflanzen umstellen müssen und die Erträge weniger optimiert, sprich etwas geringer sind. Aber es lohne sich. Weil die Rebstöcke, die durchaus 70 Jahre alt werden können, robuster und urwüchsiger aus diesem Prozess herauskommen.

Ein entscheidendes Erlebnis war für ihn, als er mitten in San Francisco in einem kleinen Schaufenster zusehen konnte, wie Käse hergestellt wird. Etwa zur selben Zeit – 2013 – war laut einer groß angelegten Studie knapp ein Drittel der britischen Schüler der Meinung, dass Käse auf Bäumen oder Sträuchern wächst.

Helfen, eine Sehnsucht zu stillen

Ihm wurde klar: Er wollte nicht einfach nur guten Wein herstellen. Sondern Stadtmenschen den Zugang zu diesem faszinieren Handwerk ermöglichen, in dem viele eine Kunst sehen. Als Vermittler wirken, die Kluft zwischen modernem Alltag und tief verwurzelter, authentischer Handwerklichkeit überbrücken. Helfen, eine Sehnsucht zu stillen. Er und Ehefrau Svenja trafen eine gemeinsame Entscheidung: Let’s go for it – Startschuss für die IMI Winery.

Im Hofladen in der Körnerstraße in Ehrenfeld laufen die Fäden des Urban Winery Projekts zusammen.
IMI: Keine Abkürzung, wie man meinen könnte. Sondern eine kleine Verbeugung.

Nach erfolgreichen Versuchen mit Pop-up Stores eröffneten die Wahlkölner einen urbanen Hofladen in der Körnerstraße, gefolgt von einem Ladenlokal im Agnesviertel, in denen es neben gutem Wein auch guten Käse zu kaufen gibt. Aber gekeltert und vergoren wird nach wie vor in der Pfalz.

Das wird sich nun ändern.

Weinberge, Equipment, ein gut eingespieltes Kernteam bringen sie mit, bestehend aus Jon, Svenja und Kai Sommer, verantwortlich für die betriebswirtschaftliche Grundlage. Ganz zu schweigen von Enthusiasmus, gestützt auf Sachverstand und solide Erfahrung. Und vielen Freunden. In der Leyendecker Straße, in Ehrenfeld, haben sie eine kleine Halle mit Innenhof gepachtet. Notwendige Genehmigungen liegen vor – für die ‚Urban Winery Cologne’, den ersten produzierenden Weinkeller in einer deutschen Millionenstadt.

Imi – eine kleinen Verbeugung

Eine Crowdfunding-Kampagne hilft, Holzfässer, Edelstahltanks und Gerätschaften sowie den Umbau zu finanzieren. Der Zuspruch ist ermutigend, das zweite Fundingziel von €28.000 in Reichweite.

Diesen Herbst sollen die ersten Trauben direkt von der Lese in der Pfalz gut gekühlt in Ehrenfeld eintreffen. Geerntet von Weinliebhabern, Laien wie Profis, die ihren Wein nicht einfach nur konsumieren wollen. Die in der Leyendecker Straße immer mal wieder dabei sein und Hand anlegen wollen, wenn aus Trauben ein edles Getränk wird. Ein Wein mit Persönlichkeit.

Übrigens: Imi – das ist der Spitzname von Jons Vater, der eigentlich Joachim hieß. Und dem die erste deutsche Urban Winery viel verdankt.


IMI Winery
www.imi-winery.de
post@imi-winery.de
Tel: 0176 565 84 554

Körnerstraße 20
Köln Ehrenfeld
Mi-Fr: 14-19 Uhr
Sa: 11-18 Uhr

Neusser Straße 44
Köln (Agnesviertel)
Mo-Fr: 10-19 Uhr
Sa: 10-17 Uhr

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