Lernen von Chargesheimer

Eigentlich sind sie da, um von A nach B zu kommen. Und wenn man nicht gerade unterwegs ist, müssen die ganzen Autos und Fahrräder ja irgendwo bleiben. Es hat ja schließlich nicht jeder eine Garage, oder wenigstens einen Hinterhof.

Aber manchmal sind Straßen auch mehr. Das galt auf dem Land, wo wir bis vor kurzem gewohnt haben – Gruß an Cäcilienstraße und Ginsterweg. Noch mehr gilt es dort, wo im urbanen Gewusel Anonymität und Vereinsamung drohen. Hier ist man stolz auf seine Stadt, allen Unzulänglichkeiten zum Trotz. Man bekennt sich zu seinem Veedel – ejaaal, wat och passeet. Und wenn man ganz viel Glück hat (und sich die Zugehörigkeit erarbeitet), dann hat das „Wir“ einen Straßennamen. „Körnerstraße“ zum Beispiel. Oder früher einmal: „Unter Krahnenbäumen“.

Einer, der das sehr gut verstanden hat, war Chargesheimer, eigentlich Karl Heinz Hargesheimer, Fotograf und Künstler, 1924 in Köln geboren, mit nur 47 Jahren auch hier gestorben. Er soll ein Einzelgänger gewesen sein, nicht immer leicht im Umgang. Aber er hat die Menschen geliebt, hat Hoffnung und Verzweiflung, Freude und Trauer, Liebe und Hass in seinen Fotos festgehalten, schwarzweiss, nüchtern, unmittelbar.

Chargesheimer Projekt Körnerstrasse Köln Ehrenfeld
Chargesheimer Projekt Körnerstrasse Köln Ehrenfeld
Chargesheimer Projekt Körnerstrasse Köln Ehrenfeld
Chargesheimer Projekt Körnerstrasse Köln Ehrenfeld
Chargesheimer Projekt Körnerstrasse Köln Ehrenfeld
Chargesheimer Projekt Körnerstrasse Köln Ehrenfeld
Chargesheimer Projekt Körnerstrasse Köln Ehrenfeld
Chargesheimer Projekt Körnerstrasse Köln Ehrenfeld
Chargesheimer Projekt Körnerstrasse Köln Ehrenfeld
Chargesheimer Projekt Körnerstrasse Köln Ehrenfeld
Chargesheimer Projekt Körnerstrasse Köln Ehrenfeld
previous arrow
next arrow
Slider

Sein 1958 erschienener schmaler Bildband „Unter Krahnenbäumen“ zelebriert das „Wir“ inmitten nachkriegsdeutscher Tristesse. Eine Straße: Für Chargesheimer keine Verkehrsader, sondern Anker für menschliche Nähe und Zusammengehörigkeit.

Markus Schaden, Verleger und Initiator des PhotoBookMuseum, ist überzeugt, dass uns der Nachkriegsfotograf heute noch viel zu sagen hat.

Wie leben wir?    Wie wollen wir leben?    Worauf müssen wir achten?

„Chargesheimer kann uns animieren, diese Fragen aus der Gemeinschaft heraus zu behandeln und unser urbanes Zusammenleben aktiv zu gestalten.“ Das von Schaden initiierte Chargesheimer Projekt ist eine nach allen Seiten offene Einladung, den dynamischen Erlebnisraum „Straße“ im Experimentierfeld zwischen Kunst- und Erlebnisraum zu ergründen und zu beleben.

Als Auftakt und Dialogforum dient eine Ausstellung im Bunker k101 in der Körnerstraße 101, die Chargesheimers Blick auf „Unter Krahnenbäumen“ mit der heutigen Körnerstraße verbindet. Die Türen sind bis zum 14. Oktober freitags, samstags und sonntags von 16:00 bis 20:00 Uhr geöffnet.


Das Chargesheimer Projekt

Email: chargesheimer@thephotobookmuseum.com

Instagram: #strassenwiediese

3320cookie-checkLernen von Chargesheimer

2 Kommentare Lernen von Chargesheimer

  1. Meinolf Sprink 10. Oktober 2018 at 11:19

    Beim Lesen bekommt man eine Vorstellung, wie wichtig es ist, Heimat zu sehen und zu dokumentieren. Kopfkino ist sicherlich großartig, aber etwas für die Nachwelt zu hinterlassen, um dieser zu zeigen, wie es einmal war – ganz wertfrei – ist sicherlich eine Königsdisziplin.

    Antworten
    1. Thomas Reinert 10. Oktober 2018 at 12:56

      Danke dir für den Kommentar. Ich finde es imnmer wieder spannend, wenn Menschen sich in ihrer Nachbarschaft engagieren und etwas auf die Beine stellen.

      Antworten

Schreib uns was

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.