Science Slam –
Liebes-Algorithmen und Zombie-Proteine

Es geht um Liebes-Algorithmen und hybride Trennungsprozesse, um Proteinfaltung, internationale Kreditrechtsauslegung und den Bayes’sche Wahrscheinlichkeitsbegriff.

In einem der angesagtesten Clubs Ehrenfelds.

An einem stinknormalen Montag Abend.

Und der Saal tobt.

Science Slam: Wissenschaftliche Themen in 10 Minuten verständlich und unterhaltsam auf den Punkt gebracht. Ein TED Talk Wettbewerb, sozusagen, denn hier treten fünf Kandidaten gegeneinander an. Das Publikum ist die Jury, der Applaus entscheidet. Moderator Niklas Fauteck: „Es gewinnt, wer am geilsten abliefert.“

Der Club Bahnhof Ehrenfeld ist gut voll.

Kurzes Aufwärmen: Ja, Applaus Stufe 8 ist schon ordentlich laut.

Science Slam Köln: Kai Kruber

Hybride Fabelwesen und verfahrensoptimierte Schatzsuche

Kai Kruber ist ein Baum von einem Typ, der in seiner Freizeit gerne zeichnet und fotografiert. „Alles, was nicht wegläuft, weil Motive mit Menschen und so muss ich nicht haben“.

Was irgendwie verwundert. Denn sein Spezialgebiet „Optimierungsbasiertes Design von hybriden Trennungsprozessen“ verkauft er dem Publikum als wär’s die beste Erfindung seit geschnitten Brot. Schafft mühelos den Sprung von hybriden Fabelwesen über verfahrensoptimierte Schatzsuche bis hin zu den Dingen des täglichen Lebens, die für jeden unverzichtbar sind, gleichzeitig erschwinglich und gut.

Dank optimierungsbasierter hybrider Trennungsprozesse natürlich.

Das Publikum fand’s echt geil.

Winzige Würmer – und jede Menge Zombies

Geboren ist sie in China, aufgewachsen in Portugal. Jetzt arbeitet Olga Sin am Max-Planck-Institut in Münster mit winzig kleinen Würmern. In denen sich Proteine in Zombies verwandeln, wenn sie sich falsch falten, sich zusammenrotten und Chaos verursachen. Genau wie beim Menschen, und da nennen wir das Resultat Alzheimer oder Parkinson.

Olga kann den Prozess sichtbar machen. Das Ziel: Die Ursachen zu finden – und womöglich auszuschalten.

Das Publikum findet das total spannend.

Klimawandel, Migration und Drogentest

Lukas Drees sieht aus, als könne er eine ziemlich fetzige Gitarre spielen. Fest steht, dass er am Institut für sozialökonomisch Forschung in Frankfurt den Zusammenhang zwischen klimabedingten Umweltveränderungen und Migrationsbewegungen im Senegal und in Mali erforscht. Wobei ihm die mathematisch-statistischen Prinzipien eines presbyterianischen Pfarrers aus dem 18. Jahrhundert eine große Hilfe sind. Die wiederum auch bei einer nächtlichen Verkehrskontrolle mit Drogentest gute Dienste leisten können.

Das Publikum fand das hochinteressant, Klimawandel und Migration und so.

Computer als Matchmaker?

Jedes fünfte Paar in Deutschland findet heute über Internet zueinander, Parship & Co. sei Dank. Man füttert sein Profil mit allerlei mehr oder weniger intimen Informationen, und ein geheimnisvoller Liebes-Algorithmus macht in Bruchteilen von Sekunden das, was Computer am besten können: simple Antworten auf komplexe Fragen liefern.

Aber: Ist eine hohe Übereinstimmung tatsächlich der Weisheit letzter Schluss? Und überhaupt: Wie kommt der Computer auf diese magische Prozentzahl, die Herzen höher schlagen lässt (oder auch nicht)?

Für Julie Tkotz, auf YouTube auch als „Last girl sober“ zu sehen, eine nicht ganz unwichtige Frage. Die ihr trotz erheblicher Mühen bisher niemand zufriedenstellend beantworten konnte – oder wollte. Was das Publikum eher nachdenklich stimmte.

Von Krediten und bösen Banken

Also angenommen, man kauft ein Haus. Und holt sich bei der Bank dafür einen Kredit, weil wer hat schon €300.000 so rumliegen. Und der Bank droht die Pleite – soll es ja geben. Und sie verhökert deshalb den Kreditvertrag an eine böse Bank – soll es auch geben.

Für Abir Haddad, im Irak geboren und als Juristin mit deutscher, arabischer und islamischer Kultur gleichermaßen vertraut, ein sehr konkretes Beispiel, weil selbst erlebt. Und da stellt sich die Frage: Wie unterscheiden sich die drei Rechtssysteme, und welches wird den Belangen des Kreditnehmers am besten gerecht?

Normalerweise trägt sie ein dunkles Kostüm, wenn sie derartige Fragen vor fachkundigem Publikum zerpflückt. Heute fühlt sie sich sichtlich wohl in Lederjäckchen, pinkem Tutu und krassen Boots.

Fünf Science Slammer, Köln
Fünf Science Slammer (v.r.): Lukas Drees, Olga Sin, Kai Kruber, Julie Tkotz, Abir Haddad und Moderator Niklas Fautek

And the winner is …

Lampenfieber? Ja, schon. Die letzten Minuten vor dem Auftritt sind kribbelig, das ging allen so. Es ist ihr zweites, drittes oder auch erstes Mal – Profis sind sie alle nicht. Haben öfter bei Poetry Slams im Publikum gesessen und sich irgendwann gesagt: Das mache ich auch mal, nur anders halt. Erkläre den Leuten, was ich mache und warum das spannend ist.

Und die Leute sind begeistert.

Ach ja: Wer gewonnen hat?

Es war echt knapp. Es ging in eine Stichwahl.

Und es spricht für die Moderation, dass an diesem Abend kurzerhand zwei Sieger gekürt wurden.

Das Publikum fand auch das total gut.


Weitere Infos und Termine: www.science-slam.com

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Liebes-Algorithmen und Zombie-Proteine

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